04. April - 06. April / USA

Mit dem Fahrrad durch die USA

 

 

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01. April / USA / Boah, was für eine Nacht

 

 

2015 hatte ich das große Glück, das Karl mit mir sein Zelt getauscht hat, er hatte es als Sponsoring für unsere Tour nach Rom bekommen und mir überlassen. Ich war so glücklich, dass ich genau das Zelt bekommen habe, dass ich mir für meine Reisen wünschte aber mir hätte nicht leisten können. Fast 700 € waren das doppelte von dem was mein damaliges Zelt gekostet hatte und das war schon viel Geld.

Jetzt lag ich in einem Bungalow, die Fenster klapperten fürchterlich und der Wind pfiff so laut um die Ecken, dass man bestimmt eine Meldung wegen Ruhestörendem Lärm hätte anzetteln können. In den USA kann man ja auch Firmen verklagen weil sie nicht auf die Mikrowelle geschrieben haben, dass man keine Haustiere drin trocknen darf. Nur bei wem beschwert man sich über den zu lauten Wind?

Es wurde immer kälter, man spürte es, das machte nichts ich habe ja meinen super Schlafsack aber im Internet konnte ich sehen, dass es am nächsten Tag max. sieben Grad werden. Gestern war es in der Sonne schon 26 Grad, das sind fast 20 Grad unterschied. Boah, und in vier Tagen ist Schneefall angezeigt. Na dann muss ich mir wohl noch einen Schlitten kaufen und einen Esel von einer der Weiden hier mit gehen lassen. 

Ich machte mir tierische Sorgen um mein Zelt, es stand eigentlich ganz gut, ich hatte es etwas windgeschützt hinter einen Hügel gestellt, nicht doll aber etwas. Das Zelt ist auch gut gebaut, ich habe schon einige Unwetter durch damit und es wäre bestimmt besser gewesen wenn meine Taschen auf dem Boden des Zeltes gestanden hätten. Ich hatte sie vorsichtshalber mit in den Bungalow genommen falls ich noch in den Keller beim Campingplatzbesitzer umziehen muss. Nun konnte der Wind aber auch drunter fahren und das Zelt von unten angreifen. In der Nacht habe ich ein paar mal hinaus gesehen, ich sah nichts, zu dunkel. Bei Morgengrauen gab es Entwarnung, das Zelt stand, ich hatte nichts anderes erwartet war aber echt beunruhigt von den Meldungen im Internet und den Ankündigungen vom Besitzer. Ich hatte Schwein, der Sturm zog etwas nördlicher durch und verschonte mein Zelt, wenn er es mitgenommen hätte und den Junior auch, ¨Na jute Nacht Marie¨ wie der Berliner sagt. 

Alles gut, ich zog mich warm an, der erste Blick vor die Tür ließ sofort erkennen, dass das Wetter sich total verändert hatte. Ich zog alle Heringe aus dem Boden und brachte das Zelt rüber zum Bungalow, ich musste es darin zusammen legen, draußen hätte ich nie die Stangen raus bekommen und es zusammenlegen können. Ich hantierte also eine ganze Weile mit dem Zelt das nun eher ein Segel war rum, dabei wurde auch noch der Junior mit allem Gepäck auf die Seite gelegt. Ein Löwenbändiger hätte meine Darbietung wohl als Meisterleistung bezeichnet.

Kurz nach acht saß ich im Sattel, ich hatte nur 65 km geplant, der Wind kam aus der falschen Richtung hatte bis zu 35 km/h drauf und war eisig. Mein Körper würde schon genug damit zu tun haben mich warm zu halten, das Radfahren selbst würde mir nur noch zusätzlich Kraft rauben. 
Seit Monaten hatte ich mal wieder meine Jacke zum Radfahren an, sie war sonst immer zu warm, heute überlegte ich noch ein Shirt drunter zu ziehen. Ein Wind eisiger als damals am Nordkap, grausig. Bei den Abfahrten dachte ich meine Nase wird mir abfrieren, ich vermummte mich total, was mir die Nichtachtung der Leute einbrachte, sonst grüßen sie mich immer aus ihren Autos, heute konnten sie mit dem Gangster auf dem Rad wohl nichts anfangen. 

Am Hotel angekommen wollte ich eigentlich noch einmal los eine Stadt weiter, ich brauche neue Crocs, meine Schuhe gehen am Stoff kaputt und ich hole mir jetzt keine neuen Turnschuhe mehr, es ist bald wieder warm und der richtige Radfahrer trägt bequemes Schuhwerk. Ich stellte die Heizung an, telefonierte mit Annett und fing an mit den Augen zu klimpern, die letzten 24 Stunden hatten mir doch zugesetzt und so schlief ich auf dem Bett halb sitzend ein.....

 

 

02. April  / USA / Es ist eisig 

 

 

Ich hatte gleich zwei Interviews am Morgen. Es ist gerade viel zu tun für meine Öffentlichkeitsarbeit. Ich springe von Magazin zum Radio und wieder zur Zeitung zurück. Es freut mich, dass ich meiner Rolle als Mutmacher so gerecht werden kann. Hoffen wir, dass es so bleibt, nur dann hört man einem auch zu. Gutes tun ist mit einem Gesicht das man kennt um einiges leichter. 
Ich habe mir wieder Crocs gekauft, meine letzten habe ich in Neuseeland gelassen. Eigentlich wollte ich schon früher wieder welche holen, es hat sich aber nie ergeben. Jetzt wollte ich wieder welche haben. Die Temperaturen gehen zwar gerade runter aber so kann ich gleich mal testen bis zu welchen Temperaturen es gut geht. 
Es gibt hier einfach eine tolle Landschaft, klare Flüsse, Bäume die leider noch nicht blühen aber man kann sich mit etwas Phantasie vorstellen wie es hier im Frühjahr aussieht. Schön... 
Ich freue mich richtig, dass ich zelten kann. Mir liegt das tausend Mal mehr als die ganzen Hotels die meist nicht auf dem Level sind, dass man sagt es ist eine gute, saubere Unterkunft. 
Zelt aufbauen und sein kleines Haus einrichten. Isomatte rein, Schlafsack rein, Taschen rein und schon ist deine kleine Welt komplett. Es war super Wetter, also nicht warm aber trocken und die Sonne lies sich sehen.

Was jetzt geschah löste fast einen Herzinfarkt bei mir aus, ich glaubte es nicht - das Zelt war kaputt. Ein Riss von 30 Zentimetern war genau im Dach. Ich bin fast gestorben. Ich überlegte wie das passieren konnte. Es musste passiert sein, als ich das Zelt in den Bungalow holte um es zusammenzulegen. Ich hasste mich für diesen Fehler, man wie blöd kann man denn sein. Oh Mann, das ist ein harter Schlag, mein Haus war defekt, ich schaute gleich wo ich die nächsten Tage ein Hotel finden konnte..... ich war vielleicht fertig. Mein Zelt, ein neues kostet über 700 Euro. Oh Mann.... 

 

 

06. April / USA / Bin in Ohio 

 

 

Ich habe hier in den Staaten die letzten Wochen echt einiges an Armut erlebt aber das hier war unglaublich, ein völlig toter Ort. Ein unglaublicher Ort, überall Autowracks. Autos die einfach irgendwann am Straßenrand abgestellt wurden und verrotteten, es sah aus wie im Film, hier hätte man locker einen Endzeitstreifen drehen können. Die Häuser waren verfallen und man hätte echt denken können hier lebt niemand mehr. Kein Mensch auf der Straße und keine Autos die fuhren, die Geschäfte haben schon ewig kein Geschäft mehr gemacht. Wenn nicht immer mal wieder ein angebundener Hund wie verrückt gebellt hätte dann wäre es einer dieser Geisterorte für mich gewesen, hier mussten aber Leute leben, es waren Hunde da. Boah, es war echt gespenstig.

Ich war froh als ich den Ort hinter mich gebracht hatte. Zur Krönung endete die Straße noch an den Gleisen, es gab keine Überfahrt mehr zur anderen Seite. Es gab einen Übergang weiter vorne, ich hatte ihn schon passiert. Zurück? Hier? Im Leben nicht.

Es ging bergab, was für ein Glück, abwärts und freundlichere Orte entlang der Straße, der Ort ging mir nicht mehr aus den Kopf. Wer lebt da nur?

Ich stand an einer fetten Kreuzung und wartete was Mapsi zu sagen hatte, sie sagte nichts. Ich ahnte Schlimmes, und richtig. Ich hatte mich verfahren und da kein Netz war rechnete sie und rechnete. Eine neue Route ohne Netz ist leider nicht drin. Zum Glück sieht man immer noch die alte Route. Zurück in die Berge. Ein 10 km Umweg war das Ergebnis, ich hatte mich bei meiner wilden Abfahrt ordentlich verfahren. Es war einfach zu laut, der Wind rauschte zu sehr in den Ohren. 

Mal wieder ein neuer Bundesstaat. Ich bin schon fast durch die halbe USA mit dem Fahrrad gefahren. Hammer. Leider war hier an der kleinen Brücke kein Schild, ich hoffte wenn ich wieder raus fahre aus dem Staat bekomme ich mein Bild......

 

 

Am 02. Juni  haben wir übrigens schon einen neuen Termin für eine live Übertragung gemacht. Es startet wieder um 14:00 Uhr. Im Internet zu hören unter www.rockradio.radio,de Ich hoffe ihr seid dabei.....

Und für alle die lieber Schlager hören bin ich am 26. Mai auf B2, dem Schlagersender schlechthin, zwischen 11 und 12 bei Dagmar und Micha zu hören.  https://www.radiob2.de

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Kommentar von Renate |

Hallo Sven,
aufregende Reise mit dem Fahrrad. Hast du das Zelt irgend wie flicken können? Mit Ducktape oder so?
Ist für die Autofahrer ein Radfahrer unterwegs nicht sehr exotisch? Oder sind da doch mehrere on the road? Wir reisten bisher nur mit dem Auto oder Bus in den USA. Manchmal haben wir auch Städtereisen gemacht.

Liebe Grüße
Renate

Antwort von Sven Marx

Na du,

ja in einigen Staaten sind Radfahrer nicht so normal, aber das Bild des Reisenden auf dem Fahrrad sieht man auch in den USA immer mehr.

Das Zelt ist geflickt aber ich brauche ein neues der Stoff ist von der Sonne schon morsch.

Setzt euch mal aufs Rad und nacht eine Tour in Deutschland, gute Wege, gute Infrastruktur.

Macht echt Spaß. Voraussetzung ist ein gutes Rad ....

viele Grüße aus Lissabon 

Icke 

 

 

Kommentar von Claudia Harfst |

Was für ein Aprilscherz – zum Glück mit glimpflichem Ausgang! Und dann noch ein Riss im Zelt ... Wenn ich nicht schon wüsste, dass du auch dafür eine Lösung gefunden hast, wär ich jetzt echt besorgt!

Antwort von Sven Marx

Ja, einiges passierteinfach so. Man will gar nicht aber es kommt.

Hinterher kann man meistens nutzen für die Zukunft draus ziehen aber der Moment ist grausig ......

Bitte rechnen Sie 5 plus 2.

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