Seh- und gehbehindet: Mit dem Pino von Berlin nach Tokio

Wie alles begann

Es muss so um den Dezember 2017 gewesen sein .... Es war glaube ich kurz vor Weihnachten, es war in Neuseeland nicht kalt, darüber war ich mehr als glücklich. Ich konnte das höchste Gut des Menschen voll genießen - Freiheit in vollen Zügen - ich war auf meiner 17 Monate dauernden Weltreise - Hammer.

Eins war für mich vollkommen klar, dass so eine Reise jeder machen kann, da war ich mir mittlerweile sicher. Es muss nur etwas Mut zusammengenommen werden und los.
Die Sprache ist anders, natürlich, aber ein nettes Lächeln eröffnet Welten, so wird einem immer wieder geholfen. Ich bin ein gutes Beispiel. Meine Muttersprache ist Deutsch, mein Englisch reicht um mich durchzuschlagen aber in den meisten Ländern muss man lange suchen damit dir mit diesem geringen Wortschatz geholfen wird. Also ein Lächeln und Hände und Füße. Ich bin zurück - es geht!!

Eines wurde mir aber dann doch klar, nicht mit jeder Behinderung kann man solch eine Tour starten. Jemand im Rollstuhl kann so eine Reise bis zu einem bestimmten Grad noch machen. Ich traf jemanden auf der berühmten Route 66 mit einem Handbike. Er hatte einen Freund dabei - es geht. Man braucht wohl in bestimmten Situationen eine Hilfe aber echt - es geht. 
Jemand der ein Bein oder einen Arm verloren hat kann solch eine Tour sogar alleine machen. Das tollste Video dazu habe ich kürzlich im Netz gesehen. Ein Mann auf einem Reiserad, das voll beladen war, schraubte sich in den Serpentinen einen unglaublichen Berg hoch.

Ich blieb lange dabei, dass ein Rollifahrer derjenige ist der ohne Hilfe solch eine Tour schlecht machen kann und überlegte genauso lange hin und her wie man ein Tandem umbauen kann um zu zweit solch eine Reise machen zu können. Ich wollte einem Menschen der die schlechtesten Voraussetzungen für solche eine Reise hat die Tür aufhalten. 
Schnell fiel mir das Pino von Hase Bikes ein, klar das war das richtige Rad, ich hatte in der Vergangenheit schon einmal eins mit einer Handkurbel gesehen.

Solch ein Rad ist natürlich eine Investition die lange geplant sein muss, ein Spezialrad hat so seinen Preis. Ich hätte echt lange sparen müssen. Mein Plan war aber 2020 zu den Paralympics zu radeln. Von Berlin nach Tokio zu den Paralympics - da sollte sich doch etwas draus machen lassen. 
Ich überlegte ob es irgendeine Schnittstelle zu Hase und ihren tollen Rädern gibt. Gehört hatte ich schon viel von dieser Firma die immer wieder an Bikes baut die speziell für Menschen mir Handicap verändert werden. Man kann hier also nicht nur das Rad für den Alltag kaufen oder ein schnittiges Bike für die Freizeit sondern auch ein Stück neue Lebensqualität. Und ihree Bikes machen sie echt mit Liebe wie ich heute weiß. 

ich musste unbedingt mit Maria von Liegeradfrau.de telefonieren, sie war die gesuchte Schnittstelle. Liegerad war das Stichwort. Sie hat seit Jahren einen echt beliebten Blog zum Thema und ist durch ihre Recherchen und Filme so bekannt, dass man ihr bei den großen Händlern der Liegeradszene Einblick gewährt. Videos von Ihr, gedreht in den Heiligen Hallen der Hersteller, bringen gute Einblicke, man steht ihr gerne Rede und Antwort zu den Produkten.
Maria ist über die letzten Jahre eine echt gute Freundin geworden. Wir haben auch vor langer Zeit mal ein Video über meine Geschichte gemacht. Sie haben in ihrem Haus ein wirklich cooles kleines Studio.
Na ich war noch lange nicht zurück und meine Anfrage an Kirsten Hase (die Chefin von Hase Bikes) war schon unterwegs. 

Maria sendete meine Anfrage direkt weiter, sie fand die Idee einem anderen Meschen, der auf Grund einer Behinderung nicht die besten Voraussetzungen hat, einfach toll und setzte sich umgehend für mich ein. 
Ich hatte in der Zwischenzeit, meine Reise ging ja munter weiter und in den Bergen von New York Staat hat man Zeit zum Grübeln über ein neues tolles Projekt - die Nächte sind lang und es gibt tolle Wege ohne Verkehr - Seele baumeln lassen, eine weitere Personengruppe in meinen Gedanken ausgemacht die solche Reise nicht einfach so machen kann. 
Mir fiel irgendwann eine andere tolle Begebenheit ein: Ich war für meine Vorbereitungen auf die Weltreise durch Japan unterwegs und traf eine blinde Frau die auch aus Deutschland angereist war. Wir unterhielten uns über Träume und Ziele. Schnell stellte sich raus, dass ihr größter Traum war mit dem Fahrrad einmal durch Japan zu radeln. Na warum denn nicht? Sie saß hinter ihrem Mann auf einem Tandem - wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!!!

Es dauerte nicht so lange bis eine Antwort von Hase kam, ein paar Telefonate und Mails - meine Idee einem anderen Menschen so eine Reise zu ermöglichen wurde sehr befürwortet - das Pino war genehmigt.

Auf meine Reise um die Welt habe ich irgendwann angefangen Interviews zu geben fürs Radio in Deutschland. In regelmäßigen Abständen wurde eine Sendung im Schlagerradio B2 und eine im Rockradio.de mit meinen Erlebnissen angereichert. Dabei kam es auch dazu, dass ich über eine neue Idee sprach. Ich erwähnte, dass ich überlege 2020 nach Tokio zu radeln und dabei einem blinden Menschen dies auch ermöglichen möchte. 

Es dauerte nicht lange und Jürgen meldete sich bei mit, da er durch das Interview von der Aktion Wind bekommen. Eigentlich wollte ich einem großen Aufruf starten um potentielle Teilnehmer an den Start zu bringen. Ich telefonierten ein paar Mal mit Jürgen, bei der Ankunft am Brandenburger Tor war er mit seinem Tandempartner dann auch dabei.

In meinen Gedanken och nicht ganz zurück, hatte ich einiges zu tun mit Berichten im Fernsehen und bei der Presse zu meiner Tour. Ich musste mir echt Zeit freischaufeln um das Treffen auf der REHACARE mit Kirsten Hase zu organisieren. Es gab ein ganz tolle Gespräch, ein angenehmer Mensch... Auf dem Weg zurück nach Berlin hatte ich im Zug genug Zeit mir über das neue Projekt Gedanken zu machen, es war alles rund.

Noch auf der REHACARE hatte ich eine Runde mit dem Pino gedreht, es stand ja die Frage im Raum ob ich mit meiner Behinderung solch ein Bike überhaupt fahren kann. Ich konnte und so machten wir einen Termin bei Hase Bikes aus um über die Ausstattung des Rades zu reden. Ich fuhr mit Jürgen nach Waltrop, der Sponsorenvertrag wurde unterschrieben und wir machten aus, dass wir bei PankeRad in Berlin ein Rad leihen können für einen etwas längeren Test. 
Das Pino ist für mich sehr gut, dadurch dass der Beifahrer so tief sitzt beeinträchtigt er meinen ohnehin gestörten Gleichgewichtssinn nicht.Es gibt bei Bewegungen von ihm nicht diese Hebelwirkung wie bei einem normalen Tandem, der Schwerpunkt ist schön tief.

Es dauerte ein paar Wochen, mit weiteren Testfahrten und schließlich die Übergabe unseres Pinos durch Dario und Niels, die das Rad persönlich aus Waltrop nach Berlin zu Dan dem Besitzer von PankeRad brachten. 
Die Paralympics Zeitung war vor Ort dabei und machte einen kleinen Bericht zu der Übergabe, ab jetzt werden sie auch immer mal wieder von der Vorbereitungen und dann von der Tour berichten. Sie haben mich ja schon auf meiner Weltreise unterstützt mit Beiträgen. 

Gleich am nächsten Morgen traf ich mich mit Jürgen um zwei Tage auf die Piste zu gehen, ab jetzt stehen bis zum nächsten März einige Fahrten an.
Gut solche Testfahrten, da weißt gleich was geht und wo noch nachgebessert werden muss.

Jeder Mensch ist anders und hat besonderen Macken. Nach 170 km wusste ich, dass mir mein Hintern brannte und eine sportliche Haltung wie auf dem Pino eher nicht meins ist, bin eben ein alter Mann. Hehe.
Meine Crocs habe ich auch gleich getestet, es regnete, das beste Wetter um zu sehen ob ich das Bike zusammen mit Jürgen und Gepäck in offenen Schuhen halten kann oder hin und her rutsche. Es ging sehr gut, auch im Gelände auf üblen Waldwege war alles gut. Ich bin glücklich, meine Gummischuhe können mich auch auf dieser Tour begleiten. Sie sind einfach saubequem und praktisch meine erste Wahl auf Radreisen.

Das Rad ging nach der Fahrt wieder zu PankeRad, Dan ist Vertragshändler von Hase. Er baute ein paar Dinge um damit das Bike perfekt auf Jürgen und mich zugeschnitten ist. Einen ausführlichen Bericht über die Austattung das Pino wird es die Tage noch geben.

Jetzt gibt es für das Rad erst einmal einen Test zusammen mit Annett, wir werden versuchen das Bike über die Alpen von München nach Venedig zu fahren.
Ihr könnt dabei sein, denn ab jetzt gibt es wieder Beiträge zu meinem neuen Blog über das Projekt 2020 ....

 

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