20. & 21. Juni / Inklusion braucht Aktion Tour 2016 / Norwegen – Finnland/ Warum ??

Ich übernachtete in Alta, meine Rückfahrt nahm also einen anderen Weg. Nachdem ich Einkaufen war ging es gleich richtig zur Sache, ich war echt froh, dass der Zufall für mich den anderen Weg zum Nordkap gewählt hatte, dies blieb vom Prinzip auch so.

Der Rückenwind hatte sich erledigt, mein Wunsch für den Mann am Straßenrand, der noch 190 km zum Ziel hatte ging also in Erfüllung. Man bist du gut. Anderen was wünschen und dabei in der selben Schei…. landen wie seit Wochen, DU FÄHRST GEGEN DEN WIND….

Ich konnte nichts machen, Wind, Berge, Kälte, du bist wieder da wo du schon die ganze Zeit warst, in der Nähe vom Nichts.

Also zählte ich wieder: Eins, zwei, drei, vier …. bis Acht, dann von vorne. Wie ich so zählte lies ich meine Gedanken eine Runde drehen, diese sind zum Glück frei und man kann in den blödesten Situationen ganz schnell an andere Orte reisen. Ich landete erst in einer Frage – Warum machst du das hier – und dann in vielen Antworten. Die erste Antwort auf meine Frage ist natürlich, mir selbst zu beweisen, dass das Leben mit einer Behinderung nicht zu Ende ist. Mein Leben ist ein anderes, oh ja, viele tolle Dinge die ich gemacht habe gehen nicht mehr, viele Sachen die ich gerne machen würd auch nicht. Aber Junge sei mal ehrlich, du machst doch genug coole Dinge, woher willst du die Zeit nehmen nun auch noch einen Kurs für Fallschirmspringer zu machen. Tja, das wäre so eine der Sachen die ich gerne noch machen würde, naja geht nicht, darum einmal im Jahr an einen dranhängen der sich dann aus 4.000 m mit dir in die Tiefe stürzt. Ich wollte nicht im Bett als Pflegefall enden, nein liebe Götter in Weiß ich hatte keine Lust darauf und natürlich viel Glück, dass sich einige Sachen wieder gegeben haben und ich die verdammten, ja, eigentlich lebenserhaltenden Maschinen, los wurde. Die Lähmung der Linken Seite ist fast total weg und Steaks, kann ich trotz der Prognose >> das wird schlecht gehen<< auch essen. Ich bin unterwegs, das wichtigste und ich spüre das Leben, jeder Atemzug bedeutet du bist. Ja ich bin da, genau so wie ich es mir gerade wünsche, eine Tour zum Nordkap, nicht leicht aber lebendig.

Der zweite wichtige Grund ist Annett, sie ist so ein Schisser, vor allem hat sie erst einmal Angst, dabei kann sie alles. Jede Sache die sie nicht kennt ist eine Gefahr, etwas das Veränderungen bring unheimlich. Wohl der Grund, das ist jetzt kein Eigenlob, dass sie mich wählte, ein Typ der stark ist und sie beschützen kann, Sachen abnimmt. Und nun hat sie einen Behinderten an der Seite dem sie helfen muss. Grausig. Mit jeder Aktion die ich mache vertraut sie mir glaube ich mehr, wird ruhiger, sie sieht, der Typ kann ihr immer noch zu Seite stehen, ja und sie wächst wie ich mit den Aufgaben. Ich will ihr zeigen, dass sie sich keine Sorgen machen muss um unsere Zukunft, ich werde sie auch weiterhin beschützen, in Hotels oder wo auch immer im Bett an der Tür schlafen. Könnte ja mal sein, dass ein Einbrecher kommt. Ach ich liebe dich….. Ja, ich eiere durch die Gegend wenn ich mal nicht auf einem meiner Fahrräder sitze, es ist ok, wir machen unsere Witze darüber, wie ich wie besoffen laufe, sie stütz mich wenn wir woanders sind, eine Gegend die ich nicht kenne und sie lässt mich dort alleine laufen wo sie denkt >>Das bekommt der alleine hin<<, ein gutes Team. Wir würden hier auf meinen Touren viel lachen, wenn ich beim Zelt aufbauen mal wieder fast auf der Nase liege weil ich etwas nicht gesehen habe und wenn ich mal am Straßenrand verschwinden muss, um das Wasser wieder los zu werden was ich in Unmengen in mich schütte und dabei ins stolpern komme. Was denken die Autofahrer? Achtung da stolpert ein besoffener Radfahrer in den Wald. Leider kann sie nicht immer bei mir sein, leider, viele Dinge die ich auf meinen Touren nicht mache, müssen so ungesehen bleiben. Da sehe ich dann auch meine Grenzen, es ist wie es ist. Du bist behindert….

Der dritte Grund ist durch Zufall entstanden. Viele Freunde und Menschen um mich herum meinten ich solle mit meiner Geschichte an die Öffentlichkeit gehen, es würde anderen bestimmt helfen sich selbst zu finden. Nicht nur behinderte auch andere Menschen könnten sich Sachen annehmen und Hoffnung schöpfen. Skeptisch ging ich mit einer Webseite und einem Video an die Öffentlichkeit (Danke Heidi und Alex). Was folgte? Presse, Fernsehen und meine Vorträge. Es macht Spaß zu sehen, dass die anderen Recht hatten. Ich kann anderen helfen. Am schönsten und aber auch am schwersten sind meine Vorträge direkt da wo Betroffene sind, in der REHA in Grünheide, da war ich selbst und kenne, das Gefühl zu denken es könnte alles aus sein.

Ja, und nun nicht zu vergessen, wenn du so und so radelst, dann kannst du das für einen guten Zweck tun. Die Arbeit für die ¨Diakonische Initiative Direkt¨ ist mir sehr ans Herz gewachsen. Alten Menschen ein Heim schaffen und helfen Kindern, die bitter arm sind, Bildung zu verschaffen ist schon cool.

Die Arbeit mit Karl für ¨ Inklusion braucht Aktion¨ klappt prima. Mehr Aktion als hier geht ja schon bald nicht mehr. Hehehe

Und natürlich die ¨Inklusionsfackel¨ vom ¨Netzwerk Inklusion Deutschland¨ sie ist mir jetzt schon so ans Herz gewachsen, dass ich noch nicht weiß ob ich sie Karl in Flensburg einfach so übergeben kann. 

Alles Dinge die mir Spaß machen und die mir helfen in solchen Momenten des ¨Warum machst du das¨ den Kopf wieder in den Wind zu heben, die Wassertropfen von der Brille zu wischen und Kraft zu finden den Weg fortzusetzen.

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Berliner sind dufte….

Ich traf Neuseeländer, Schweizer und Österreicher, doch die meisten Radler waren aus Deutschland. Sind wir radbesessen? Doch am coolsten war, dass ich an einem Tag gleich zwei Berliner traf, ich werde versuche, die beiden zu überreden uns in Berlin zu treffen, am besten in einer Shisha-Bar, und unsere Erfahrungen zu tauschen. Drei Meinungen zu ein und der selben Geschichte sind glaube ich voll abgefahren um seine Erlebnisse noch einmal aus einer anderen Sicht zu erleben. Wir Berliner sind und bleiben die GRÖSSTEN. Hehehehe.

Und jetzt kein: Da haben sie wieder eine große Klappe die Berliner. Wo wart ihr anderen denn?? Hehehehe – was für ein Fest !!!

Das Wetter lies es nicht wirklich zu, dass es vorrärts ging, zum Glück hatte ich den einen Tag mit Rückenwind genutzt und bin 160 km gefahren, zum Glück. Ich habe am heutigen Tag bei 97 km Schluß gemacht und dem Wind einen Finger gezeigt. Mach du mal da draußen noch, ich lege mich in einer echt schönen, gemütlichen Hütte aufs Ohr und höre dir zu wie du um die Ecke kommst.
Beim Bericht schreiben hörte ich ihn noch etwas um die Ecken schleichen, das hatte er sich wohl anders gedacht. Pech mein lieber.
In der Nacht musste ich noch einmal aufstehen, obwohl ich nackt in meinen Schlafsack lag schwitzte ich so, dass mir das Wasser lief. Da hatte ich die Heizung in meinem Wahn die Sachen trocken zu bekommen wohl etwas sehr hoch gedreht.

Schlaf weiter Junge du hast die nächsten beiden Tage noch zu tun……

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