16. & 17. Juni / Inklusion braucht Aktion Tour 2016 / Norwegen / Fast den nördlichsten Punkt der Tour, ja, Europas erreicht

Der Tag konnte sich nicht entscheiden, Regen, Sonne, Regen, Sonne. Das Wetter wechselte ständig und ich natürlich mit ihm die Sachen. Ich komme so schon kaum voran, Wind und Regen machen mir zu schaffen, dazu die Berge/Hügel und mein Tempo schrumpft. Ich brauche teilweise für 120 km 14 Stunden. Ich schaffe das nur weil es nicht dunkel wird, wo anders wäre das nicht möglich. Im Dunkeln, ist das mit meinen Augen noch einmal schlimmer, jedes Licht was ins Spiel kommt irritiert mich doch sehr stark. Darum sehe ich zu, dass ich bei Dunkelheit einen Platz zum schlafen habe.

Nach gut 60 Kilometer hatte sich das Wetter nun endlich mal entschieden – REGEN. Ja und die Entscheidung blieb so, ob ich meckerte oder nicht, dem Wetter war es egal. Punkt. Für mich hieß das dann ne Runde von 80 km im Regen drehen. Das schlimme daran ist eigentlich nur, dass du irgendwann, trotz guter Regenkleidung nass bist, du schmorst im eigenen Saft. So eine Regenkombi lässt kein Wasser rein, sie lässt aber auch keins raus. Um so länger es regnet um so schlimmer wird es, du merkst irgendwann wie dir das Wasser den Rücken und die Beine runter läuft, na wenigstens ist es nicht das hier echt kalte Regenwasser. Anhalten ist grausig, sowie du nichts mehr machst ist die Kleidung die du trägst eigentlich zu wenig. Bis du die richtige Menge Kleidung gefunden hast ist schon eine Weile vergangen. Ausziehen, anziehen. Wenn du nun aber stoppst, müsstest du die Kleidung eigentlich wechseln. Na klar, Regenzeug aus, ne Jacke drüber und nach fünf Minuten Pause alles wieder zurück, das macht kein Mensch, naja, ich kenne auf jeden Fall keinen.

Also heißt das die Pausen fallen kürzer aus, das macht sich gut wenn einem schon ein paar Wochen Radfahren in den Knochen stecken. Atropos Radfahren, heute ist der 3.000 Kilometer unter meinem treuen Junior durchgerollt. Wir haben nicht angehalten und diesen Augenblick festgehalten, es war nass und kalt, da gehen besondere Augenblicke schon mal verloren.

Vom weiten sah ich etwas rotes flattern, ein Regenponcho, für meine Fahrten durch die Stadt habe ich so ein Ding auch, praktisch, schnell drüber fertig. Auf Tour, bei Wind wie jetzt, blöd, habe lange drüber nachgedacht und den Gedanken verworfen. Ist praktisch aber leider auch ein Segel, naja, vielleicht nutze der Pole ihn ja genau so, er kam aus Norden, den Wind im Rücken.

Wir redeten etwas und ich holte ein paar Informationen ein die mir wichtig waren. Über seinen Hänger wollte ich etwas mehr wissen, ich würde nie einen nutzen, noch extra einen Hänger irgendwo rein bewegen z.B. einen Zug wäre zu viel für mich. Mein Junior reicht mir schon, wobei er mir ja auch eine prima Hilfe ist, ich kann mich immer an ihm abstützen. Gute Reise, und guten Weg. Wie schon in der letzten Nacht mietete ich ein Bungalow, es regnete auch am Vorabend und es gibt nichts schlimmeres als wenn du am nächsten Morgen in deinem kalten Zelt in nasse Klamotten steigen musst. Eine Erkältung sitzt dir da ganz dicht im Nacken. Ich versuche es zu vermeiden, wenn es nicht geht, hilft nur weinen, einfach weinen und den ganzen Tag fluchen, die beste Medizin. GLAUBT MIR…….

Bungalow, Sachen zum trocknen aufhängen und sehen was am nächsten Tag anliegt, noch 85 km……….

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Noch 85 km, die machst du, machst schnell ein paar schöne Bilder und fährst 30 km wieder zurück nach Honningsväg, dort übernachtest du und hast schon 30 km vom Rückweg gemacht. Mach mal kommt es anders als gedacht…..

Nach dem Tunnel gestern, übrigens echt was für Leute die Angst haben vor Geisterbahnen, HUUHUUhUUUUUhu, kamen heute noch ein paar dazu, der Hammer ist der Nordkaptunnel, fast 7 km lang und geht auf über 200 Meter runter. Das ganze ist genauso dunkel wie die erwähnte Geisterbahn und die Wände sind blanker unbearbeiteter Fels von dem das Wasser tropft. Wer da Problemen mit Platzangst hat oder so muss da schnell durch, also schneller als ich, ich hatte eine gute, echt schnelle Reise nach untern, 9% Gefälle machen sich auf dem Tacho bemerkbar, gut 60 Sachen sind schon fein. Ich musste aber höllisch aufpassen wenn mir jemand entgegen kam, zum Glück dauert das ganze nur ein paar Sekunden und es ist kaum Verkehr, es kam mir glaube nur ein Auto entgegen. Unten bist du, nun hoch, das sind dann 10%, das kannst du, hast du schon oft gemacht. Nach den ersten Metern war Schluß, meine Beine wollten nicht mehr. Ich blieb meinem Motto treu ¨Nur was der Kopf will schafft der Körper¨

Na da gab es gleich eine zurück, für den Tritt in die Pedale, obwohl meine Beine sagten wir können nicht mehr. Krampf, ein verdammter Krampf, ich sprang vom Rad um es irgendwie abzufangen. Bei der Neigung ist ein voll beladenen Rad schnell am Boden und du mit. Dann bist du das liegende Gespenst in der Geisterbahn. Blöd, erschreckt sich noch einer.

Also fahren war nicht mehr, es ging nichts, trotz des Magnesiums und so war hier Schluß, jetzt schiebe mal schön. LAUFEN IST GUT FÜR MICH, MACHE SO UND SO ZU WENIG.  Ich schob meinen freuen Freund Richtung Ausgang, der Tacho zeigte 0 km/h, ich glaube die zeigen ab drei an. Na da bist du nen bisschen unterwegs. Irgendwann erblickte ich das Licht. Es regnete noch immer. Seit meinem Start Regen, ich versuchte die Sunden zu zählen die ich jetzt schon im Regen gefahren bin in den letzten zwei Tagen, ich lies es. Rauf und weiter, es ging nur noch mit meiner alten Methode des Zählens. Ich zähle immer bis Acht und dann von vorne. Eins, zwei, drei, vier, fünf……….

Ich funktioniere gerade nur noch, da musst, da willst du raus. Ich bin keine Maschine.

Ich grüße gerade so alle Moped-Fahrer die mir entgegen kommen, es sind vielleicht noch 50 Kilometer bis zum Kap, wer dir hier entgegen kommt war mit Sicherheit da oben, oh ja. Ich grüße sie und die meisten grüßen zurück, manche kennen sogar meinem Daumen nach oben.  Sie halten ihn schon vom Weiten in die Höhe und lassen ihn langsam auf und ab wippen.  Die die nicht zurück grüßen verstehen wohl nicht, dass ich ihre Leistung einfach super finde. Früher als ich selbst noch gefahren bin, durfte, konnte, haben sich Motorradfahrer immer gegrüßte, weiß nicht ob es das heute noch gibt, ich habe das nie gemacht. Man machte das um den anderen Motorradfahrer zu grüßen, ihm zu zeigen, dass man seine Anwesenheit schätzt. Ich habe leider zu viele Leute in meinem Leben getroffen, die eine Motorrad haben aber es nur ein paar Mal im Jahr nutzen, sie hätten sich auch eine teure Vase oder Münzen kaufen können, das sieht aber ja nicht so cool aus wenn man mal Besuch bekommt oder doch mal zu irgendeinem Treffen fährt.

Tja, einige von denen, die nicht zurück gegrüßt haben, dachten vieleicht auch nur >>Was will der denn, ich bin auf der Stufe der Evolution ja wohl schon einen Schritt höher<< Die die wussten was ich meine grüßten einfach und gut. Gegenseitige Anerkennung.

Ich meine es verdammt ernst, wenn ich sage, dass ich die Leistung dort mit einem Bock hoch zu fahren höher einschätze als das was ich hier gerade mache. Du sitzt auf einem Teil, dass bestimmt nicht tausendmal eingestellt wurde und gleich die richtige Rahmengröße hatte, du fährst vielleicht hundert, schneller, langsamer, egal. Dieser eisige Wind, der mich nur stoppt, schlägt dir ins Gesicht, der Regen der mir das Leben schwer macht, trifft dich wie Nadelstiche, und am schlimmsten die Kälte die durch deine noch so dicken Klamotten kraucht, beim absteigen sind deine Knie steif dadurch. Ich habe auch meine Probleme mit der Kälte aber ich heize. Ich bewege die beiden größten Muskeln die wie haben auf und ab. Das Herz muss immer arbeiten und lässt mich in der selben schwierigen Umgebung sogar so sehr schwitzen, dass meine Sachen trotz Regenschutz nass sind. Glaubt mir ich kenne das Gefühl auf so einem Hobel zu sitzen und sich den Arsch abzufrieren.

Ich bin mal hunderte von Kilometern auf meiner Buell aus Kroatien nach Berlin gefahren. Achtzig Kilometer vor Berlin musste ich tanken und habe mir schnell zwei Mars rein geworfen, ich rief Annett an und sagte >>Ich bin gleich da.<< Als ich wieder in den strömenden Regen wollte und die Maschine schon an war, da merkte ich, dass die Energiezufuhr nicht mehr reichte. Ich zitterte am ganzen Körper, ich rief Annett wieder an und sagte ihr, dass ich es nicht mehr zu uns schaffe und mir ein Hotel suche. Achtzig Kilometer vor Zuhause, hätte ich nicht geglaubt, dass das so hart sein kann. Ende vom Lied, am nächsten Morgen bin ich wach geworden, fror wie irre und hatte alle meine Regenklamotten noch an, nur einen Schuh hatte ich aus. Ich war fertig…..

Sie haben alle eine Anerkennung verdient, darum grüße ich sie, wer es nicht versteht, der hat wohl mit sich selbst zu tun, vielleicht hatte er sich das schönen vorgestellt, so mit den Motorradfreunden einen Ausflug machen.  

Eine Gruppe, die mich gestern überholt hatte, kam mir heute wieder entgegen, zehn oder vielleicht zwölf Bikes. Ich sah schon vom fernen wie fast alle den Daumen in den Höhe streckten und ihn langsam auf und ab wippen ließen. Pah, jetzt musste ich aber mal tief Luft holen und aufpassen, dass nicht nur der Regen mein Gesicht nass macht. Schöne Geste, so ein Spalier, sie habe ja gesehen, dass ich schon eine Weile bei diesem Wetter unterwegs bin Richtung Norden und zeigten mir fast alle, dass sie das irre finden, dass ich das mit dem Fahrrad mache was sie machen. Wenn die wüssten, dass ich eine Heizung dabei habe.

30 Kilometer vor dem Nordkap  liegt der letzte größere Ort, hier suchen sich viele ein Hotelzimmer, ich wollte auch bis Honningsväg zurück, gleich noch an dem Tag für den Rückweg Kilometer gut machen, muss den Zug bekommen sonst ist alles weitere aus. Kurz vor dem Ort traf ich einen Italiener, er grüßte, wir fuhren sie Stück zusammen und dann trat er wieder in die Pedale, ich machte ruhig. Im Ort sah ich ihn abbiegen, der will bestimmt zum Supermarkt, ich überlegte. Brauchst du nicht, du hast noch 1 1/2 Liter Wasser, kaufe ein wenn du wieder unter bist, brauchst du nichts schleppen. Einen ähnlichen Fehler habe ich in den Karpaten schon einmal gemacht, ja, und offensichtlich nichts gelernt. Blödmann.

Ich machte noch eine kurze Pause und strebte weiter mein Ziel an – Nordkap. Der Italiener überholte mich wieder. Er wollte sich eine Bleibe suchen und morgen die letzten 30 km fahren. Na denn viel Spaß. Ich musste da hoch, Bilder machen und wieder runter. Egal wie, du fährste da heute hoch. Gleich die erste Steigung hat 9% und lag im Nebel, ich überlegte ob das was der Italiener machte schlauer war. Ich kam zu dem Schluß, dass wenn ich jemals hier wieder mit dem Rad her komme, dann mache ich es auch so. Heute, mein Freund musst du da hoch, die Zeit lässt dir keine andere Wahl.

Nebel, Regen, Kälte, ich zog mir unter meine Regenkombi dann doch noch meine Daunenjacke, ich dachte schon die ist umsonst mitgefahren. Es gibt da oben noch zwei schöne Passagen in denen meine Beine wieder den Dienst verweigerten, ich schob noch einmal ein paar Kilometer. Ich hatte Zeit, es wird nie dunkel. Etwa 15 km vor dem Kap ist eine Stelle direkt am Straßenrand wo sie Bungalows vermieten. Oh, wie verlockend, die nassen Sachen aus, was warmes Essen und schlafen. Träume weiter aber bewege deinen Arsch da hoch. Habt ihr auch von Zeit zu Zeit solche Stimmen im Kopf? Einer sagt so der andere so. Irgendwann war die Kugel die auf dem Haupthaus ist zu sehen, los Sven wenn du da bist fährst du die 15 km zurück und gehst einfach nur schlafen.

Cool ist, die Begrüßung an der Kasse, die haben sich wirklich gefreut, mich zu sehen, also den Radfahrer – mich. Eintritt ist nur für die gedacht, die nicht selbst hier hoch fahren. Radfahrer zahlen nicht. Das war wohl mal anders, habe ich gelesen, ob es stimmt keine Ahnung. Ein deutscher Radfahrer soll wohl mal nach den ganzen Strapazen gesagt haben, dass er lieber wieder abhaut als zu zahlen, für die ganze Mühe sollte man doch eher noch belohnt werden. Ja, so soll das gekommen sein.

Jetzt kam mir der Regen zum ersten Mal zugute. Kein Schwein war an der Weltkugel, was gingen die ganze Zeit für Bilder durch meinen Kopf, ich sah hunderte Menschen auf meinen Bildern, nicht einer ist drauf, doch ich. Die Leute saßen alle im Cafe oder Restaurant und schaute dem Verrückten mit dem Fahrrad zu. Ich holte die Fackel in ihren Einzelteilen aus meinen Taschen und baute die verdammt kalten Metallteile zusammen und überlegte ob ich das Inklusions-Shirt noch anziehe. Dann holst du dir den Tod. Der Wind macht dich alle.

Bilder, ab in den Shop, Karten und Briefmarken kaufen. Ein Mitarbeiter, musste freundlicher Weise, mein Postkarten nehmen und zur Kasse tragen. Meine Hände und alles an mir war nur nass. Alles in die Tasche, schnell im Cafe noch was zu Trinken kaufen, den Preis habe ich verdrängt und wieder runter, die am Einlasshäusschen macheten Augen als ich schon 30 Minuten später wieder da war. Hehehe.

Nur noch ein wenig strampeln Junge, dann ist die Nummer erste einmal gegessen. Bungalow mieten, ein nettes Gespräch mit einer sehr netten, älteren Dame, die den Laden schmiß führen, essen schlafen……….

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